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Die Tablette Zyban, die der britische Pharmahersteller GlaxoWellcome Mitte dieses Jahres in Deutschland auf den Markt bringt, soll die Erfolgsrate williger Nikotinaussteiger drastisch verbessern. In den Vereinigten Staaten und Holland ließen die Behörden das Medikament, das in den USA als Antidepressivum verschrieben wird, bereits zur Raucherentwöhnung zu. Das verschreibungspflichtige Zyban therapiert damit erstmals die Suchterscheinungen im Gehirn von Rauchern selbst und enthält im Gegensatz zu Pflastern oder Kaugummis kein Nikotin. Bislang schluckten fünf Millionen Raucher weltweit die Pille, die bei uns laut GlaxoWellcome-Geschäftsführer Thomas Werner pro Tag so viel kosten soll wie eine Schachtel Zigaretten. Der Berliner Psychiater Schmidt testete die Tablette als einer von mehreren Prüfärzten in Deutschland an 32 freiwilligen Krankenschwestern und Ärzten. „Ich war selbst von dem Effekt überrascht“, räumt Schmidt ein, der seit Jahren an Antisuchtmitteln forscht. „Den Rauchern, die die Tablette schon einige Tage vor dem Aufhören einnehmen sollen, schmecken die Zigaretten nicht mehr“, beschreibt der Suchtexperte den günstigen Nebeneffekt. Gleichzeitig sei das begleitende Motivationsprogramm genauso wichtig wie die Pille selbst. „Nur beides zusammen führt zu den guten Erfolgsraten“, ist Schmidt überzeugt. „Auf den ersten nikotinfreien Tag muss sich der Raucher vorbereiten wie auf eine Operation, den Beginn des Urlaubs oder den Tag der Hochzeit“, weiß Schmidt aus seiner langjährigen Erfahrung mit starken Rauchern. Nach einer im renommierten „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Studie blieben 30,3 Prozent der Raucher, die Zyban genommen hatten und dazu Verhaltenstipps bekamen, noch nach zwölf Monaten rauchfrei. Im Vergleich dazu schnitt die Gruppe, die ein Nikotinpflaster benutzt hatte, schlechter ab: Nach einem Jahr schafften es nur 16,4 Prozent, ohne Zigarette auszukommen. Ähnlich erging es den Patienten, die ein Scheinpräparat schluckten: 15,6 Prozent von ihnen blieben nikotinfrei. Insgesamt nahmen 140 deutsche Raucher (aus Gesundheitsberufen) sowie 688 Teilnehmer aus anderen europäischen Ländern an der internationalen Zyban-Studie teil. Weitere Probanden, so Schmidt, seien erst einmal nicht vorgesehen. Dennoch bemerkt der Berliner Klinikdirektor schon jetzt, dass weitaus mehr seiner Patienten an Schlafstörungen leiden, als Forscher in anderen Tests beobachteten. Dies hielte die Ex-Raucher allerdings nicht davon ab, die mehrwöchige Therapie durchzuhalten. Insbesondere Vielraucher, die mehr als 20 Zigaretten täglich qualmen und bei denen andere Entwöhnungsstrategien fehlgeschlagen sind, seien potenzielle Kandidaten für Zyban, so Schmidt. „Das Mittel ist keine Wunderdroge, sondern ein verschreibungspflichtiges Präparat für Raucher, die wirklich ein Problem haben, ohne Hilfe aufzuhören.“ Zyban wird voraussichtlich nicht von den Krankenkassen bezahlt, obwohl nach den internationalen Diagnosekriterien der Weltgesundheitsorganisation Nikotinsucht als Krankheit gilt. Seit 1996 bezahlen die Versicherungen auch die Kosten für Raucherentwöhnungskurse nicht mehr. |